ADAC: harte Linie gegen alle Youngtimer

Informationen von und über
FIVA (Federation Internationale Vehicules Anciens),
DEUVET (Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge),
ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil Club),
Council of BMW-Clubs,
IKM (Initiativa Kulturgut Mobilität),

Moderator: Matthias aus Hohenlohe

Antworten
spitzerer
Glas-Club Mitglied
Glas-Club Mitglied
Beiträge: 527
Registriert: Do 14.Jun.2007 15:42
Wohnort: Rehau
Kontaktdaten:

ADAC: harte Linie gegen alle Youngtimer

Beitrag von spitzerer » Fr 19.Dez.2008 08:49

Es wird hier etwas länger.

1.) eine wunderbar geschriebene Stellungnahme zum diesbezüglichen Artikel "Abwrackprämien" in der ADAC-Motorwelt 12/2008, geklaut aus dem Forum von http://www.sternzeit-107.de/

2.) die Antwort des ADAC auf die diesbezügliche Anfrage des Mercedes Veteranen Clubs (MVC)
http://ticker.mercedes-benz-passion.com ... oungtimer/

3.) ein vorformuliertes Schreiben zum Austritt aus dem ADAC.


Über die Konsequenzen einer "Oldtimer-Vertretung durch den ADAC" möchte mal jeder selber nachdenken.

Für mich jedenfalls ist das Thema gegessen. Lieber den DEUVET weiterhin unterstützen - auch wenn es mich ein paar Groschen kostet.

Gruss
Wolfgang



------------------Stellungnahme zu ADAC-Motorwelt 12/2008 ------

Dass der ADAC eine Interessengemeinschaft ist, war mir ja schon immer klar. Nur dachte ich in meiner Naivität, es ginge dabei um die Interessen der Autofahrer. So kann man sich täuschen.

Von den 10 tollen Gründen, jetzt ein neues Auto zu kaufen, bleibt bei neutraler Betrachtung nicht mehr viel übrig:

Grund 1: Günstig wie nie
Ich kann mich an Zeiten erinnern, das bekam man für 10.000,- DM einen vollwertigen Mittelklassewagen und für 20.000,- DM eine Luxuslimousine. Dafür bekommt man heute gerade noch einen Dacia Logan.

Grund 2: Attraktive Kredite
Was soll das für ein Grund sein? Ein Auto hat nun mal einen Preis. Ob ich den jetzt bezahle, oder erst in ein paar Jahren. Selbst bei echten 0,0% Zins und ohne Anzahlung - bezahlen muss ich das Auto in jedem Fall. Der Unterschied ist nur, dass ich heute abschätzen kann, ob ich soviel Geld entbehren kann. Was in ein paar Jahren ist, weiß der liebe Gott.
Theoretisch könnte man zwar sein Geld in dieser Zeit zinsbringend anlegen, aber bei den vielen Bankenpleiten in letzter Zeit ist das Geld im Sparstrumpf sicherer angelegt.
Außerdem kaufen Schwaben nicht auf Pump. Entweder kann man sein Auto bezahlen, oder man kauft sich eben keines.

Grund 3: Wertvoller Alter

Genau das ist für mich der Grund, meinen Alten zu behalten und keinen Neuen zu kaufen

Grund 4: Der Staat hilft
Wenn ich mir jetzt einen OPEL Insignia für 25.000,- Euro kaufe, kann ich ca. 200,- Euro Steuern sparen. Ein Wahnsinnsanreiz! Sowas wird höchstens noch durch den Satz Fussmatten und den Schlüsselanhänger getoppt, den man bei geschickter Verhandlung sogar noch zusätzlich bekommt.
Aber gut, wenn ich mir jetzt sowieso ein neues Auto kaufen würde, es müsste ja nicht unbedingt ein OPEL sein...
Lassen wir diesen Grund also mal gelten.

Grund 5: Autos immer bessser
Dazu werde ich mich äußern, wenn ich mich von dem Lachkrampf erholt habe, der mich gerade erfasst hat.
Stunden später...
Zitat: "Können Sie sich noch daran erinnern, als es bei Mercedes nur drei Pkw-Modelle gab? 190er, mittlere Baureihe (W124) und S-Klasse (W126) – das war’s."
Jawohl das wars! Damals wusste man noch, dass man mit einem Mercedes ein hochwertiges und wertbeständiges Auto kauft mit dem man für mindestens 20 Jahre versorgt ist. Heute werden in immer kürzeren Abständen neue unausgereifte Modelle auf den Markt geworfen, die schon nach drei Jahren durch eine Modellpflege unnötig an Wert verlieren. Alleine das ist schon ein Grund, kein neues Auto zu kaufen. Und überhaupt, was hat eine breitere Modellpalette mit "besser" zu tun?
Besser wäre für mich eine höhere Qualität - ich sag nur Rostschutz, Elektronik, Leder.
Nichts, aber auch rein garnichts ist in dieser Richtung besser geworden. Ganz im Gegenteil!

Grund 6: Autos für kleines Geld
Siehe Grund 1

Grund 7: Rechnen Sie nach
Ja gerne. Am Spritverbrauch hat sich in den letzten 20 Jahren kaum etwas geändert, außer dass man heute das teure Super oder Super plus braucht, wo man früher mit Normalbenzin auskam.
Steuerlich sind Neuwagen natürlich im Vorteil, aber das ist erfahrungsgemäß nur eine Frage der Zeit, bis dieser Vorteil durch eine Stinkerbestrafungssteuer ersetzt wird, die diesen Vorteil wieder aufhebt.
Mein Rechenergebnis: für den Wertverlust, den ein Neuwagen in den ersten Jahren hat, kann ich meinen Alten noch viele Jahre fahren.

Grund 8: Moderne Sicherheit
Endlich mal ein wirklicher Kaufgrund!
Da kann man echt nichts dagegen sagen, die Sicherheit wurde wirklich enorm verbessert und war auch noch nie so gut, wie heute.
Trotzdem finde ich es schlicht lächerlich, wenn ein Autohersteller EURO NCAP- Punkte nur dafür bekommt, dass er den Insassen mit penetrant ekligem Gepiepse die Gehörgänge durchpustet, wenn die sich erdreisten sollten, den Zündschlüssel ins Schloss zu stecken, bevor sie angeschnallt sind. Sowas betrachte ich als Bevormundung und wird von mir mit sofortiger Deaktivierung dieser Warneinrichtung bestraft.

Grund 9: Sauberer denn je
Das stimmt. Zumindest auf dem Prüfstand. Da werden die Motoren genau so optimiert, dass sie bei normgerechem Fahrzyklus super gute Werte haben. Aber wehe, der Käufer fährt damit so, wie er es gewohnt ist und für richtig hält. Dann werden u.U. mehr Schadstoffe in die Luft geblasen als als bei einem älteren Fahrzeug, das noch für den normalen Fahrbetrieb auf der Straße und nicht für einen speziellen Fahrzyklus abgestimmt wurde.

Grund 10: Immer zuverlässiger
Ist das Zuverlässigkeit, wenn ich nach 3 Wochen den Motor nicht mehr starten kann, weil der Ruhestrom der Bordelektronik die Batterie leergesaugt hat? Nein, das ist Stand der Technik!
Ein Glück, dass es noch (unzuverlässige) Youngtimer gibt, die auch nach 6 Monaten Standzeit noch klaglos anspringen und einem in solchen Situationen aus der Patsche helfen.

Bleibt als Fazit: es gibt eigentlich kaum einen vernünftigen Grund, sich ausgerechnet jetzt ein neues Auto zu kaufen. Wers trotzdem tut, ist selber schuld.


-----------Stellungnahme des ADAC zur Abwrack-Prämie ---------



Youngtimer!

Von Jörg Maschke am 18. Dezember 2008

Am 5.12.08 hatten wir hier auf die Meinung des ADAC, diese Vertretung kümmert sich um die speziellen Interessen und Wünsche der Fahrer klassischer und historischer Fahrzeuge (so beschreibt sich der ADAC auf seiner Homepage selbst), zu dem momentan diskutierten Thema einer Abwrackprämie hingewiesen und diese kritisch hinterfragt. Heute haben wir nun die offizielle Antwort erhalten.

Ein paar Auszuge daraus, wollen wir Ihnen nicht vorenthalten (Kürzungen ohne Sinnveränderungen haben wir entsprechend [...] gekennzeichnet):

Abwrackprämie

ADAC-Position


In der aktuellen Diskussion [...] werden [...] auch Überlegungen in die Öffentlichkeit getragen, für ältere Pkw eine sogenannte „Abwrackprämie“ bereitzustellen. Der ADAC begrüßt grundsätzlich eine derartige Förderung für die Stilllegung eines alten Fahrzeugs.

Die Abwrackprämie bietet [...] drei entscheidende Vorteile:

1.
Ökologische Komponente: Mit dieser Maßnahme wird der Pkw-Bestand vor allem von älteren und damit aus Umweltgesichtspunkten schlechteren Fahrzeugen schneller befreit. Damit werden Minderungen bei den Emissionen von schädlichen Luftschadstoffen erreicht.
2.
Soziale Komponente: Die Förderung wirkt bei dem Personenkreis, der aus wirtschaftlichen Gründen den größten Anteil an alten Fahrzeugen besitzt und damit maßgeblich zur Verringerung des technisch veralteten Fahrzeugbestands beitragen kann. Mit einer Abwrackprämie würden auch diejenigen berücksichtigt, die sich kein neues Fahrzeug leisten können, einer finanziellen Unterstützung aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten aber am stärksten bedürfen.
3.
Ökonomische Komponente: Eine Förderung der dauerhaften Stilllegung alter Fahrzeuge verbunden mit dem Kauf eines saubereren Fahrzeugs erzeugt auch einen gewissen beschleunigenden Effekt bei der Erneuerung des Fahrzeugbestandes und fördert damit auch die Konjunktur in der Automobilbranche.

Eckpunkte

*
Nach Auffassung des ADAC muss die Regelung für einen eindeutig definierten Teil des Pkw-Bestandes gelten. In den Genuss der Abwrackprämie sollten nur Pkw kommen, die bei ihrer Erstausstattung lediglich die Normen der Vorschriften von Euro-1 oder schlechter erfüllen. Nachträglich auf Euro-2 aufgerüstete Pkw sollten gemäß ihrer ursprünglichen Schadstoffklasse behandelt werden. Damit hätten Besitzer dieser Fahrzeuge ebenfalls die Möglichkeit, eine Prämie zu erhalten. Die Anrechenbarkeit der Prämie muss sowohl für Diesel-Pkw als auch für Benziner gelten.
*
Außerdem muss sichergestellt werden, dass die mit einer Prämie stillgelegten Fahrzeuge dauerhaft aus dem Bestand in Deutschland entfernt werden. Darüber hinaus ist nachzuweisen, dass die stillgelegten Fahrzeug bei Beantragung der Prämie nachweislich mindestens ein halbes Jahr in Deutschland zugelassen waren.
*
Neben der Stilllegung des alten Fahrzeugs muss der Kauf eines neueren und saubereren Fahrzeugs mindestens der Schadstoffklasse Euro-3 oder besser verbunden sein. Dies ist ebenfalls nachzuweisen.


Jetzt kann sich jeder eine eigene Meinung zum ADAC machen oder selbst einmal beim ADAC nachfragen, meine Ansprechpartnerin war die Frau David ( Andrea.David@ADAC.de ). Gerade die Punkte 1. und 2. dürfen sicherlich kritisch betrachtet werden. Meine Erfahrung in der Zeit als schoneinmal ein regelrechter Verschrottungswahn, ausgelöst durch Pämien der Hersteller, durch unser Land ging waren etwas anders. Oft wurden scheckheftgepflegte Youngtimer verschrottet, weil sich der Opa aus der Nachbarschaft schnell noch einen Neuwagen gekauft hat….

Das ganze Schreiben kann bis zum 23.12.2008 gerne per Email an Info@MVConline.de zum Nachlesen angefordert werden.


---------------Austritts-Schreiben an den ADAC ----------

Hier ein Text an die ADAC-Mitgliederverwaltung:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

ihr Auftreten in ADAC Heft Nr. 12 und die Antwort an gegenüber den Young- und Oldtimerbesitzern sehe ich als schädlich für die Szene an.

Über www.sternzeit-107.de bin ich auf den Newsticker von MVC-Online gestossen. Dort wird ihre harte Linie gegen diese wunderbaren Autos bestätigt.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich aus diesem Grund meine ADAC-Mitgliedschaft mit sofortiger Wirkung kündige.

Ich trete dem AvD bei, der ein Herz für Old- und Youngtimer hat.

Meine Funktionen im Oldtimerbereich für Sie zur Kenntnis, ich spreche nur in meinem Namen, unabhängig der Funktion in den Clubs in denen ich Mitglied bin.
Mit freundlichen Grüßen

Thomas Bittl, Webmaster

www.sternzeit-107.de
Typreferent 107 vdh www.mercedesclubs.de
stellv. RT-Leiter RT70 des MB 107SL-Clubs
Mitglied der Initiative Kulturgut Mobilität


PS: Der CO2-Aussstoß der bei Neufahrzeugen in der Produktion entsteht (Erz schürfen, Erz-Transport zur Stahlhütte, Eisengewinnung, Tranpsort der Rohware zu den Fahrzeugherstellern, Produktion der Neuwagen) verursacht meines Erachtens mehr CO2 als der Erhalt und der Betrieb von Old- und Youngtimern."


-----------------------------------------------------------------------

spitzerer
Glas-Club Mitglied
Glas-Club Mitglied
Beiträge: 527
Registriert: Do 14.Jun.2007 15:42
Wohnort: Rehau
Kontaktdaten:

Einge Artikel zum Thema "Abwrack-Prämien"

Beitrag von spitzerer » So 11.Jan.2009 09:32

Eine sehr ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema
"ADAC und die Abwrack-Prämie"

http://www.meinklassiker.com/de/magazin ... n/5/0/1638
http://www.meinklassiker.com/de/magazin ... i/5/1/1642



Und eine SEHR gut gemachte Karikatur zum ADAC-Thema:

http://www.oldtimerfreunde-heidelberg.de/7006_news.php

Das kann man auf der Zunge zergehen lassen .....


Gruss
Wolfgang

Antworten