H-Kennzeichen ? droht uns die Schwemme der 30-jährigen Autos

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H-Kennzeichen ? droht uns die Schwemme der 30-jährigen Autos

Beitrag von spitzerer » Mi 27.Mai.2009 11:05

H-Kennzeichen ? droht uns die Schwemme der 30-jährigen Autos?

Geschrieben von: Mario in Kulturgut Mobilitaet on Mai 22, 2009 Print PDF

Immer wieder kursieren Meldungen, die Zahl der in Deutschland als Oldtimer anerkannten PKW und Motorräder bewege sich von Jahr zu Jahr zu neuen Rekorden. Nicht selten wird geargwöhnt, Grund für diese Zunahme seien in Wirklichkeit alte Gebraucht-, vielleicht auch Verbrauchtwagen, die mit Müh? und Not ein H-Kennzeichen bekommen. Schließlich halten Autos immer länger, somit überschreiten auch immer mehr Alltagsfahrzeuge, deren Besitzern eigentlich nicht an der Pflege mobilen Kulturgutes gelegen ist, die magische 30-Jahres-Grenze. Ein Hauch von unterstellter Steuerhinterziehung weht durch einschlägige Internetforen und Blogs.

Statt uns wie viele andere in Mutmaßungen zu ergehen, haben wir die einschlägige Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes im Detail durchgearbeitet. Hier die amtlichen Zahlen:
Am 1.1.2007 liefen ca. 154.000 PKW auf H-Kennzeichen, am 1.1.2008 waren es (vermutlich in Folge einiger methodischer Änderungen bei der Erhebung der Statistik) 145.000, also ca. 6% weniger als 2007. Am 1.1.2009 waren es dann 164.225 PKW, die ein H-Kennzeichen trugen. Das sind stolze 13,3% mehr als 2008 bzw. 6,6 % mehr als 2007.

Übrigens: Am 1.1.2009 waren insgesamt 500.778 PKW mit einem Alter von mindestens 30 Jahren zugelassen, nicht einmal ein Drittel davon hatte ein H-Kennzeichen, war also offiziell als Oldtimer anerkannt.

Droht uns nun wirklich, wie so oft behauptet, eine Oldie-Schwemme durch immer mehr knapp-über-30-jährige Autos mit H-Kennzeichen?

Definitiv nein. Im Gegenteil: Es gibt einen deutlichen Trend hin zu älteren Oldtimer-Fahrzeugen.

Die Zahl der "jungen" (d.h. 30- bis 34-jährigen) Fahrzeuge mit H-Kennzeichen ist entgegen dem allgemeinen Trend seit Jahren deutlich rückläufig: Waren 2007 noch 26,7 % aller H-Kennzeichen für 30- bis 34-jährige Fahrzeuge zugeteilt, sank deren Anteil über 23,3 % im Jahr 2008 auf derzeit nur noch 20,9 %. In Absoluten Zahlen: Von 2007 bis 2009 ist die Zahl der 30- bis 34-jährigen Oldtimer-PKW mit H-Kennzeichen von über 41.000 auf ca. 34.300 gesunken, also um knapp 17 %. Vermutlich zeigt die zum 1.3.2007 eingeführte Überprüfung der Einhaltung der H-Kriterien bei jeder Hauptuntersuchung die ihr zugedachte Wirkung.

Wenn man bedenkt, daß am 1.1.2009 insgesamt 228.837 PKW zwischen 30 und 34 Jahren Alter zugelassen waren, hatten also 85% der PKW dieser Altersklasse kein H-Kennzeichen. Auch wenn vielerorts geargwöhnt wird, jedes 30-jährige Auto bekäme quasi automatisch ein H-Kennzeichen: Die Statistik widerlegt dies eindrucksvoll. In dieser Altersklasse ist das H-Kennzeichen die krasse Ausnahme.

Bei den mindestens 40-jährigen Fahrzeugen verfügen übrigens über 2/3 über ein H-Kennzeichen.

Im Gegenzug zu den "H-Junioren" ist der Anteil der Oldtimer-PKW im Alter ab 50 Jahren, die ein H-Kennzeichen tragen, von 11,4 % (2007) über 12,5% (2008) auf derzeit 13,8% deutlich gestiegen. In Absoluten Zahlen ist das ein Anstieg von über 17.500 Fahrzeugen (2007) auf 22.700 Fahrzeuge (2009). Das ist ein Anstieg der Zahl der mindestens 50-jährigen PKW mit H-Kennzeichen um ca. 30 % in nur 2 Jahren!

Woher kommt?s?

Ein nicht unerheblicher Teil der Oldtimer-Besitzer mied bisher das H-Kennzeichen und meldete sein Auto normal an. Oft waren es ganz profane finanzielle Gründe, die für die Normal-Zulassung sprachen: Bei ganzjähriger Zulassung ist die Normalzulassung bis ca. 700 ccm Hubraum in jeden Fall kostengünstiger als das H-Kennzeichen. Wird der Wagen, was wohl die Regel ist, nur im Sommerhalbjahr gefahren, kann unter Berücksichtigung der Versicherungsprämie sogar bis ca. 2 Liter Hubraum die normale Zulassung mit Saisonkennzeichen die kostengünstigere Alternative sein. Hinzu kamen viele Oldtimerbesitzer, die das DIN-Kennzeichen an ihrem Wagen, wohlmöglich noch ausgestellt auf einen seit Jahrzehnten nicht mehr existierenden Landkreis, aus sentimentalen Gründen (schließlich ist auch das historische Kennzeichen Teil der Historie des Autos) erhalten wollten.

Im Laufe des letzten Jahres wurden diese Fahrzeugbesitzer jedoch vielerorts vor eine Alternative gestellt: Entweder in den sauren Apfel beissen und auf das unerwünschte H-Kennzeichen umsteigen oder aus den Umweltzonen ausgesperrt werden. Da verwundert es kaum, dass sich viele Fahrzeugbesitzer für das H-Kennzeichen entschieden haben, um (wenn auch unter Mehrkosten oder Inkaufnahme eines unerwünschten Kennzeichens) überhaupt noch mit dem Auto fahren zu dürfen.

Eins ist jedenfalls durch die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes klar widerlegt: Der Oldtimer-Szene droht keineswegs eine Überflutung mit "jungen" Fahrzeugen ? vielmehr geht der Trend ganz deutlich hin zu älteren Fahrzeugen und weg vom H-Kennzeichen für Fahrzeuge der Altersklasse 30-34 Jahre.

BJcarblog's mum
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Beitrag von BJcarblog's mum » Sa 17.Okt.2009 17:58

Irgendwann wird dann die Zeit für die jungen Modelle auch kommen, wenn Sie alt geworden sind.

Matthias aus Hohenlohe
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kein Problem

Beitrag von Matthias aus Hohenlohe » So 18.Okt.2009 21:38

Hallo
da hat ja auch niemand ein Problem damit. Ich habe einen meiner Oldtimer vor 21 Jahren als günstigen neuwertigen Gebrauchtwagen gekauft, weil ich Spaß dran hatte. Damals sprach noch keiner davon, dass das mal ein Oldtimer werden könnte.
Ich habe ihn auch artgerecht gehalten, sonst wäre er heute nicht immer noch so schön.
Wogegen ich jedoch ganz massiv etwas hätte (aber das ist ja lt. obiger Statistik anscheinend kein Problem), wenn "schlaue" Mitbürger einen abgewirtschafteten 190er Baby-Benz Diesel im Alltag nutzen und dafür dann das "H"-Kennzeichen als Steuersparmodell mißbrauchen. Um uns richtig zu verstehen, ich habe gegen dieses Fahrzeug als von mir aus Youngtimer nichts, sehr wohl gegen die Art der Nutzung. Mag vielleicht legal sein sowas, im Sinne des Gesetzes / Vorschrift ist es nicht.
Viele Grüße
Matthias
Glas 1700, Bj 10/1968 und Goggoroller 7/1951

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